· 

Grenzübergang USA - Mexiko

Wir haben festgestellt die vielen Amerikaner mit ihren Sprüchen: "take care, don't be killed in Mexico" blieben doch etwas hängen bei uns in den Köpfen.

Die Grenze hat uns nervös gemacht und wir kamen mit etwas Misstrauen, da "man aufpassen müsse, dass man nicht abgezockt wird von den korrupten Beamten..."

 

Nun: wie haben online die Touristenkarte ausgefüllt und los gehts! Bei der Touristenkarte geht es nicht eigentich um ein Visum, sondern man muss einfach seine persönlichen Daten angeben wie Name, Passnummer und wieder eine Adresse im Land, wo man sich befindet. (Wie bereits in den USA haben wir dies einfach mit einer Adresse eines Campingplatzes gelöst.)

Direkt online nach dem Ausfüllen und Bezahlen erhält man die Quittung der Touristenkarte, die Karte selbst kommt dann aber per Mail - eigentlich innerhalb 24h. Leider kamen die Mails mit den Touristenkarten nicht an.

Also haben wir mal Quittungen ausgedruckt und fragen dann halt an der Grenze, was wir jetzt zu tun haben.

Wir fahren nach Tecate rein und wir wissen: Nicht die Parkplätze verpassen, denn das Bürozeug muss ja noch erledigt werden.

Tecate soll einer der einfachsten Grenzübergänge sein, da das Ort nicht allzu gross ist, aber die Beamten doch gewohnt sind, dass hier seltsame Touristen mit nicht amerikanischen Autos auftauchen, wo mehr Papierkram erledigt werden muss. Das aber alles unter Selbstverantwortung, es erinnert niemand daran, was für Papiere noch ausgefüllt werden müssen, denn das kommt auch auf die Region an, wohin man will. Wenn man nur auf die Baja California möchte, könnte man einfach durch fahren an der Grenze - so lange niemand ins Auto schauen will, was vermutlich einfach nach Zufallsprinzip geschieht.

Aber wir wissen ja Bescheid, dass wir mehr benötigen und ja - ZACK - Parkplätze da! Huuch, fast schon vorbei gefahren, aber es reicht gerade noch so zum Anhalten vor der Barriere. Phuu, erste Hürde geschafft.

Dann ist aber schon der erste Grenzbeamte am aufgeregt Herbeihüpfen: "Migration, Migration???" Wir fragen zurück: Ingles? Er: "No, nooo" und verwirft die Hände.

Winkt dann aber einen anderen Mann herbei und der erklärt uns in ein paar Brocken Englisch (inkl. Hand und Fuss), dass wir doch ZUERST durch die Grenze FAHREN sollen und dann per Fuss zurück kommen sollen für den Bürokram.

Na gut, okay, nehmen wir jetzt einfach mal so an. Vermutlich hängt dies auch vom Grenzübergang ab - manche Reisende haben uns gesagt, wir sollen vor der eigentlichen Grenze anhalten, andere sagten uns aber auch danach. Grundsätzlich geht wohl auch beides. Was hier der Vorteil ist, dass wir an einer »Einbahn-Grenze« stehen. Hier ist nur die Einreise nach Mexiko - einige Querstrassen weiter ist der umgekehrte Weg möglich. Hier aber eigentlich nicht. Aber da uns der Beamte sagt, das klappt zu Fuss zurück zu kommen, fahren wir nun los durch die Barriere. Wir fahren in eine Kolonne, die bei einer Schranke durchführt. Wir werden »geblitzt« - vermutlich ein Foto vom Auto und dann leuchtet alles grün und so können wir schon durch fahren. Hier gibt es auch der Fall, dass es rot leuchtet, dann kommt man mit dem Auto in eine genauere Kontrolle, wo sich Beamten das Auto anschauen (aber noch nicht unbedingt gleich alles ausräumen). Aber da wir grün haben, wind wir also schon in Mexiko! Juhuuiii!

 

Doch jetzt startet das Abenteuer. Denn wir müssen ja wieder zurück um unsere Touristenkarten zu erhalten und den temporären Import für’s Auto. Also Parkplatz suchen und in die Büros.

Die Parkplatzsuche ist eher schwierig... Da plötzlich - ein Mann stoppt uns: "You need parking?" Und unsere Alarmglocken gehen sofort an: Der will jetzt sicher Geld... ???

Bevor wir was dran ändern können, stellt er schon "Strassendöggeli" um und winkt uns auf den nun freien Platz.

Wir denken uns so allerhand: Wie viel kostet uns das jetzt, stehen wir jetzt im Parkverbot und dann gibt's komische Bussen oder wie jetzt?? Der Mann sieht absolut »inoffiziell« aus.

Also fragen wir: How much?

Er sieht uns komplett verständnislos an: "No no, no charge."

Also gut, dann lassen wir das mal dabei bleiben und ab in die Büros. Wie kommt man denn jetzt zurück über die Grenze?

Ganz einfach der Parkplatzmensch winkt uns (der mit den Strassendöggeli - will er doch Geld??), ruft einmal quer über den Platz "migrationes, migrationes" zu allen Zöllnern und ab da haben wir den Freipass ;-)! Der Mann vom Parkplatz scheint also doch irgendwie »offiziell« zu sein und eine Funktion an der Grenze zu haben.

Wir gehen nun entgegen allen Markierungen am Boden und dem eigentlichen Leutefluss, müssen uns hinter dem Gepäckröntgengerät durch zwängen zurück auf die andere Seite des Grenzzaunes. Etwas seltsam als Europäer, wo man maximal Flughafengrenzen kennt und diese immer strikt organisiert sind und man schon angeschnauzt wird, wenn man irgendwo stoppt, wo man nicht sollte...

 

Aber tatsächlich machen uns alle Zöllner Platz, winken uns freundlich durch und wir stehen wieder auf der anderen Seite der Grenze - also genauer in so einem Zwischenraum, ganz auf die amerikanische Seite kommt man auch wieder nicht, da würde dann wohl besser geschaut werden ;-).

Nun aber zuerst ins Migrationsbüro - nur wo? Es kommt die nächste Dame in Trainerhosen und Sweatshirt auf uns zu und weist auf ein Gebäude hin :"migration". Hmm... okay... Die Frau arbeitet wohl ebenfalls hier, auch wenn sie nicht so ausschaut ;-).

Da gibt es also vermutlich unsere Touristenkarte oder aus Forma Migratoria Múltiple. Diese erlaubt uns dann auch ausserhalb der »freien Zonen«, wie der Baja oder ca. 25km im Grenzbereich, Mexiko zu bereisen.

Unterdessen ist meine Touristenkarte tatsächlich per Mail gekommen, Adi's nicht. Nun, drucken können wir jetzt eh nicht mehr, also erklären wir die Situation. Die Frau hier kann zum Glück etwas Englisch.

Sie gibt mir eine Mailadresse, wo ich meine Touristenkarte hin senden kann zum Ausdrucken. Ookay... Lets try... :-P

Für Adi - ja, da gibts nur eine Lösung: Die Frau kann nicht auf das System zugreifen, er muss nochmals von Hand ausfüllen und nochmals zahlen. Gut das sind ca. 30 US$, das geht noch. Also nochmals Spanisch/Englisch entziffern und ausfüllen.

Meine Karte druckt die nette Dame unterdessen tatsächlich aus und tadaaa - ich bin somit schnell erledigt und stehe mit 180Tagen Visum da.

Bei Adi gehts dann weiter: Mit der ausgefüllten Karte werden wir zum Bezahlschalter "Banjercito" geschickt, raus aus dem Gebäude und um die Ecke. Da bezahlen wir und dann geht’s mit Quittung wieder rein für den Stempel. Und voila, Adi hat auch 180Tage.

 

Jetzt braucht Dodo noch sein "Visum", den temporären Import oder kurz TIP, den man in Mittelamerika & Südamerika jeweils benötigt, um mit einem europäischen Auto einzureisen. Grundsätzlich ist das für die Länder einfach die Versicherung, dass man das Land wieder mit Auto verlässt. Wir werden wieder zum Banjercito geschickt.

Der Mann spricht auch etwas Englisch, juhuii!! Er braucht Kopien. Das wussten wir schon und wir sind vorbereitet: Wir haben alles kopiert was geht. Jegliche Ausweise sind da, Pass, Fahrzeugausweise, Versicherung...

Aber er braucht natürlich auch das Visum, das wir gerade erst erhalten haben, kopiert. Und kopieren kann er natürlich nicht - wieso auch? :-P

Er weist uns den Weg zur Pharmacia, die mache Kopien - natürlich wieder hinter der Grenze in Mexiko. Die Pharmacia? :-P Ja also, dann... So geht es zu Fuss wieder nach Mexiko und: Die Pharmacia ist zu. Shit...

 

Da kommt aber wieder unser Parkplatzmann daher gesprungen: »Copias, copias??« Wir: »Siii..?« Dann folgt in English: »to the second light, then turn right and the second door makes copias.« Zusammen mit seinen Handgesten macht diese Wegbeschreibung durchaus Sinn und wir gehen los:

Wir laufen mal zum zweiten Lichtsignal und dann rechts. In dieser Strasse hat's einen Laden am nächsten, aber keiner sieht aus als würde er kopieren. Da bleibt uns nichts anderes übrig als mit unseren noch nicht vorhandenen Spanischkentnissen nachzufragen. Wir strecken mal bei der zweiten Tür den Kopf rein, wedeln mit unseren Blättern "Copias??" Der Mann antwortet: "no...dos..." - das war alles was wir verstanden haben.

Hää? Macht er zwei Kopien oder wie?? Ahhh, nein, der Groschen fällt bei uns: Wir müssen zwei Türen weiter.

Und tatsächlich: bei dieser Tür klappt es. Wieder wedeln und fragen: "Copias?" Es kommt zurück: "Si" - und voila, unsere Touristenkarten sind kopiert.

Also ab wieder zur Grenze: Hmm... sorry, nochmals wir, die da verkehrt herum durch laufen - tschuldigung... Aber ja man kennt uns unterdessen schon. Da sind wir also wieder, die Zöllner machen uns Platz, wir zwängen uns wieder hinter der Gepäckkontrolle durch und voila: ab zum Banjercito.

 

Tatsächlich haben wir jetzt alle Kopien, der TIP für Dodo wird ausgefüllt, wir müssen ein Depot hinterlegen, weil er kein Wohnmobil ist und da ist es: Dodo darf auch 180Tage in Mexiko bleiben. Geschafft!! Nun also das letzte Mal bei den Zöllnern vorbei, nett lächeln und wir sind da! México!!

 

Und was denkt ihr, was ist mit dem Parkplatztypen? Will er jezt nun noch Geld oder nicht?? Nee! - der räumt die Strassendöggeli wieder weg, wir fahren aus unserem VIP Parking raus und gut ist. Der Parkplatz wird nämlich extra für diese Fälle abgesperrt, das man nicht weit suchen muss. Da war unser Misstrauen komplett fehl am Platz!!

 

Und wohin jetzt? Es ist später als geplant, da wir versucht haben die Mails abzuwarten. Wir sprachen gestern noch mit einer deutschen Familie über eine Guestranch kurz nach der Grenze. Da wir nicht gross andere Ideen haben, fahren wir los.

 

Unsere zusammengefasste Empfehlung also für den Grenzübertritt per Landweg von den USA nach Mexiko:

 

· Formulare besser einfach an der Grenze ausfüllen - falls doch online: mehr als 24h vor Grenzübertritt! Ansonsten nichts online erledigen und folgende Papiere bereit halten:

  • Pässe
  • Fahrzeugausweis
  • Fahrzeugversicherung
  • Krankenversichuerungsausweis und Impfpässe
  • eine mexikanische Kontaktadresse für das Formular der FMM
  • Kopien von Pass (vom Fahrzeughalter), Fahrzeugausweis und dann auch von der FMM, nachdem sie gestempelt ist (das geht also erst vor Ort) - diese müssen dem "Banjercito" abgegeben werden und da können sie selbst nicht kopieren

Auch wenn die mexikanische Grenze chaotisch wirkt - es läuft schon richtig und man kommt auch mit schlechtem Spanisch irgendwie rüber.

Kosten: zweimal (bzw. für uns dreimal, aber wenn’s klappt dann eine pro Person ;-)) FMM/Touristenkarte 2x 638Pesos (ca. 30CHF), der TIP für’s Auto 1096Pesos (ca. 55CHF), Depot für das Auto 5967Pesos (knapp 300CHF, welche man bei Ausreise wieder erhält), Kopien 4Pesos (20Rp.).

 

Kosten an der Grenze also ungefähr 115CHF plus 300CHF Depot. Dazu kommt noch im Vornherein das Abschliessen der Autoversicherung. Wir haben den Anbieter gewechselt, da wir für Mexiko einen günstigeren mit besseren Konditionen gefunden haben als segurogringo.com. Jetzt sind wir für Mexiko bei Lewis und Lewis Vollkasko versichert für 6Monate für umgerechnet ca. 650CHF.

 

Tipp für Reisende: Lest euch die aktuellen Grenzinformationen im App iOverlander durch. Wenn ihr da auf die roten Punkte bei den Grenzposten klickt, bekommt ihr die aktuellsten Kommentare zum Grenzübergang und genaue Beschreibungen, wo was zu finden ist und wie man am besten vorgeht.