· 

Abstecher Chile - Futaleufu bis Coyhaique 7. Dezember bis 19. Dezember

...oder von "patagonischen" Schlam(m)assel und Wiedersehen mit vielen Freunden.

Wir ziehen also durch mit Fahren und fahren möglichst nah ran bis Puyuhuapi. Übernachten an einem Flussstellplatz, wo wir das letzte Mal schon waren - dazu später mehr. Am nächsten Morgen geht es zeitig los ins Ort.  Wieso Puyuhuapi??
Also ein kurzes Ausschweifen braucht es dazu: Ziemlich genau zwei Jahre nach dem wir unsere Reise gestartet sind, sind auch zwei Freunde von unserer Studi-Zeit in Bern auf eine "richtige" Weltreise gestartet. Sie wollen wirklich einmal um die Welt - haben in den USA gestartet, sind unglaublich viel gewandert, unter anderem der Pacific Crest Trail von der mexikanischen Grenze bis hoch zur kanadischen quer durch die USA. Natürlich haben wir auch mitgekriegt, dass sie nun in Südamerika sind. Aber wie so oft haben wir festgestellt, wenn man mit dem Fahrzeug unterwegs ist, sind Backpacker, so wie sie unterwegs sind, für uns unglaublich schwer einzuschätzen. Mal sind sie für uns Monate lang gefühlt am gleichen Fleckchen und dann plötzlich... schwuuubs.... in ein Flugzeug oder Nachtbus gestiegen und sind unglaublich viele tausend KM weiter gekommen, die wir nie erwartet hätten. Mit Melo und Nico hatten wir schon 2-3 Mal das Gefühl: Jaa, jaa, jetzt sehen wir uns und zaack, waren sie weg, weil sie eine Buchung einhalten mussten. Doch nun haben sie gesehen, wie nah wir auf Polarsteps stehen und plötzlich geschrieben, sie hätten noch einen Tag Zeit, könnten sich ein Auto mieten und damit würden sie es bis Puyuhuapi schaffen... Somit mussten wir das auch schaffen. :-P Und tatsächlich hat es geklappt - und so sind 4 Schweizer in einem kleinen Kaff in Chile unterwegs und haben keinen Plan was man hier eigentlich tun kann. Es endet in einem Spaziergang um den Fjord, kaufen von Picknick und Bier und schliesslich bei einem gemütlichen Zusammensitzen an der Küste und Essen (auch noch frisches Ceviche von Adi's gestern gefangenen Forellen) und Bier trinken wie es auch an der Uni so Gang und Gäbe war. ;-)

 

Nach diesem überraschenden und super lustigen Tag in Puyuhuapi heisst es für uns wieder nordwärts fahren, denn wir wollten Futaleufu dieses Mal eigentlich auch anschauen, nicht nur vorbei fahren. Und zudem haben wir diesen Ort eigentlich als Treffen mit weiteren Freunden ausgemacht. Wir fahren also zurück und übernachten an dem selben Fluss wie vorher. Dieser wunderschöne Flussplatz, wo wir nun zum dritten Mal stehen. Adi fischt wieder und hat tatsächlich wieder Erfolg. Aber noch etwas weiteres passiert... 

Ich und Cita sind beim Auto und entspannen ein bisschen. Denke ich mir auf jeden Fall... im Stuhl an der Sonne sitzend. Irgendwann schau' ich mich mal um und realisiere... Shiit... Cita ist weg. Ist ja nicht so, dass ich sie nicht angebunden hätte. Hier haben wir jedes Mal Hasen gesehen und Cita kann manchmal kaum ihre Geschäfter machen, da es hier so sehr nach Hase riecht. Deswegen war ich ja auch voraus schauend: Extra habe ich die Schleppleine eingehängt (am Hund... aber nirgends sonst) und dachte, das sehe ich schon, wenn die Leine verschwindet - so lang wie die ist. Oder höre es zumindest, wenn Hund mit Leine davon spurtet einem Hasen hinterher... Aber beim Brotteig machen ist es dann passiert: Leine und Hund verschwinden beide und ich hab's nicht bemerkt.

Also laufe ich hoch zum Weg... Denke mir, die ist ja evtl. auch einfach nur zu Adi gelaufen, den Fluss hoch. Also rufe ich und suche - und finde Adi. Aber kein Hund. SCHEISSE...!! Jetzt mache ich mir wirklich Sorgen. Wenn sie einem Hasen zur Strasse gefolgt ist??? Ich erzähle Adi die Geschichte und hoffe noch ein klein wenig, dass er Cita schon gesehen hat und sie irgendwo da ist... Aber nein, er verneint. Fischen muss also warten und wir suchen unsere vier Pfoten. 

Adi geht Richtung Auto um auch noch das Fischerzeug zu deponieren und ich mehr dem Wald und Weg entlang. Und natürlich schreie ich mir die halbe Seele aus dem Leib. Ein weisser Van kommt mir entgegen. Ich checke schnell das Nummernschild und sehe, es sind Deutsche. Also rufe ich ihnen auf Deutsch zu - mittelgradig bis schwer gestresst: Habt ihr einen Hund gesehen? Die beiden schauen mich ziemlich perplex an und schütteln dann den Kopf... Einen Hund?? Ja, so einen grossen, braunen, Schäferhund ähnlich... Ich habe so einen verloren...! Sie verneinen und so lasse ich sie halt stehen, sie wollten ja einen Stellplatz suchen, nehme ich an. Ich sag also: Danke und Tschüss - ich muss ja weiter suchen...

Ich rufe wieder nach Cita. Bis ich plötzlich ein Bellen höre. Aber genau diesen Tonfall von Bellen, den ich nicht hören wollte: Nämlich ein nach Hilfe bellendes Bellen, dass ich bis jetzt nur einmal von Cita gehört habe, als sie schwer in der Klemme steckte. Ich renne also los, entgegen dem Bellen. Rufe wieder und warte auf Antwort... Und bekomme sie plötzlich von hinten. Hööö?? Okay komisch. Bin ich am Hund vorbei und habe sie nicht gesehen? 

Ich laufe zurück und rufe... Es bellt wieder aus der anderen Richtung. Oookay, ich peil's einfach nicht mehr: Wo steckt der Hund? Ich bleib stehen und laufe wieder in die andere Richtung - langsam nun und in den Wald starrend... Plötzlich höre ich es auch fiepen und winseln, allerdings jetzt nicht mehr ganz so um Hilfe heischend. Und dann sehe ich sie - und muss erst Mal ziemlich lachen: Cita steht in Heidelbeer-Büschen (gerade so hoch, dass man sie nicht mehr wirklich sieht), die orange Leine (die ich zuerst entdeckt habe - zum Glück ist die orange) ungefähr hundert Mal um die Büsche und irgendwelche Baumstämme gewickelt und auch um Cita's Beine. Kein Loskommen mehr... Ist da wohl jemand einem Häschen gefolgt und hat sich in eine missliche Lage gebracht?

 

Das Entwirren beginnt also und Cita kommt wohlbehalten aus den Büschen. In dem Moment kommen auch die beiden Deutschen rüber gelaufen und wollten nachfragen, ob wir unseren Hund gefunden hätten. Die Frage erübrigt sich und wir können uns nun noch normal und vollständig vorstellen. Elena und Tobi haben noch keinen wirklich guten Stellplatz gefunden - also schlagen wir vor, sie sollen doch zu uns kommen, es hat noch Platz. Und so kommen wir zu einem weiteren unerwarteten Abend in Gesellschaft.
Elena und Tobi erwähnen am nächsten Tag beiläufig, dass Elena Geburtstag hat. Uiii -Happy Birthday!! Und sie wollen nach Futaleufu in ein gutes Restaurant am Abend - ob wir auch Lust haben mitzukommen? Oder wohin wir denn weiter fahren?

Unser Ziel ist ja auch wieder Futalufu - finally ;-) - also verabreden wir uns für den Abend zum Essen. Suuuper lecker war das! Njammi!! Und eigentlich witzig, dass die Beiden uns nicht als völlig verrückt abgestempelt haben nach dem ziemlich schrägen Kennenlernen während der Hundesuche. :-P

 ©Ufbruchstimmig 

Es folgt ein Wandertag zum Piedra del Aguila. Elena und Tobi haben für den heutigen Tag eine Rafting Tour gebucht und vermutlich sehen wir die beiden Abends nochmals - je nach dem, wo wir übernachten.

Durch den Tag ereilt uns auch eine sehr freudige Meldung: Die Familie FoB kam schneller südwärts als gedacht und erreichen heute auch Futaleufu. Huuiii - da rutscht man ja plötzlich von Treffen zu Treffen. 
Wir suchen also nach der Wanderung einen schönen Stellplatz, wo alle Platz finden würden. Und genau so kommt es dann auch. Der FoB und Tobi und Elena gesellen sich zu uns und es wir ein super gemütlicher Abend am Lagerfeuer.

 ©Ufbruchstimmig 

An diesem Platz hier verweilen wir etwas. Elena und Tobi verlassen uns aber, da sie weiter nordwärts kommen müssen. Sie sind nämlich im Süden auf die Panamericana gestartet und fahren "Generalrichtung Norden". 

Toni und ich haben uns entschieden, unseren Männern eine Riverrafting Tour vorsorglich zu Weihnachten zu schenken. So gibt es für uns Frauen hier noch einen gemütlichen Tag am Fluss während die Herren sich in die wilde Fahrt stürzen.
Am Freitag geht es dann aber weiter. Toni hat Geburtstag!! Happy Birthday! Und für diese Gelegenheit müssen wir natürlich Kuchen finden. Wir besorgen leckeren Chilenischen Kuchen (der hier übrigens sehr wohl immer in Deutsch als "Kuchen" angeschrieben ist, da er von Deutschen hier her gebracht wurde). Nach einer Kuchenpause unterwegs versuchen wir dann an unserem "wohlbekannten" Flussplatz nun zum vierten Mal den super Stellplatz zu ergattern um den Geburtstagsabend von Toni zu feiern. Es werden Spagetthi Carbonara gekocht und viel gequatscht wie immer. 

Wir bleiben wieder etwas stehen, die Herren versuchen noch ihr Fischerglück und es gibt auch einige frische Forellen zu knabbern für uns. Aber schliesslich zieht es uns alle dann wieder weiter - denn wir müssen uns auch noch überlegen, wo denn genau wir Weihnachten feiern wollen.

Ein Zwischenstopp im Nationalpark Queulat legen wir natürlich ein (dieses Mal hüte ich Cita und Adi geht mit den FoB's zur Gletscheraussichtsplattform). Adi und die FoB's haben deutlich mehr Glück wie ich mit unseren Freunden Anfang Jahr - das Wetter ist top und sie können den "Hängenden Gletscher " super bestaunen. Allerdings anscheinend auch mit ein paar mehr Leuten als ich beim letzten Mal hatte. Auch der Start in die Wanderung war Choas pur. Trotz Onlinetickets wollten uns die Ranger erst nicht mehr einlassen, da wir zu spät dran seien für die grosse Wanderung. Erst mit ein bisschen "rum stürmen" lenken sie ein - okay, geht noch. Aber der LKW darf nicht nach hinten fahren zum Ausgangpunkt. 
Also müssen wir mit den Rangern folgendes ausmachen: Wir fahren also alle zusammen mit Dodo und Hund mit drin nach hinten, aber ich musste versprechen, dass ich dann sofort zurück komme und den Park wieder verlasse mit dem Hund. Und nur im Auto...!! Natürlich haben wir das genau so gemacht - allerdings war es schon eine ziemlich enge Sache in Dodo. Sechs Personen, ein Hund und mitten drin im Gang noch die monströse Hundebox. :-P Aber alles funktioniert, wenn man will...

 ©Ufbruchstimmig 

Auf dem Weg nach Puerto Cisnes gibt es noch einige kleine Abstecher und Trails entlang der Careterra Austral zu entdecken. Die Region ist einfach wunderschön. Wir fahren auch kurz in den Ort rein und checken die Lage ab, ob aktuell Waltouren angeboten werden. Aber leider nein. Die Saison scheint nicht ganz die richtige zu sein. Erst gerade in den Startlöchern. Wir versuchen es ein weiteres Mal in Puerto Aysén und in Chacabuco. Aber auch hier sind aktuell keine Waltouren zu finden. Kurz überlegen wir, ob wir alle zusammen die Fahrzeuge hier stehen lassen und auf die vorgelagerten Inseln gehen für ein paar Tage. Aber schnell ist klar, für das müssten wir ziemlich tief in die Tasche fassen, mit Cita wird es nicht einfach wegen Hundeverboten und ganz sicher sind wir auch nicht, ob da Waltouren zu finden sind. Das alles ist uns schliesslich insgesamt viel zu umständlich und so verwerfen wir die Idee.
Aber immerhin - von diesen Küstenörtchen hier gibt es eine wenig befahrene Hinterstrasse (X-608), die etwas Abenteuer verspricht und die wir nun in Angriff nehmen. Wir wissen, dass da erst mal ein Fluss kommt und der Start über die kleine Mini-Fähre wird schon die erste Herausforderung. Erst diskutieren die Herren der Fähre erst mal, ob das mit dem grossen FoB geht und schauen sich den LKW ganz genau an... Nach kurzer Diskussion sind sie sich dann aber einig: Ja, das passt schon, der FoB soll drauf fahren. Die Höhe ist allerdings eine knappe Sache und das Floss sinkt ziemlich tief ab. Am anderen Ufer zeigt sich dann das Problem: Das Schiff ist mit der schweren Last nun zu tief für's Anlegen. Aber kein Problem: Der Käpt'n rangiert halt einfach eine Weile, bis die Schiffs"nase" höher kommt und das Floss dann doch noch anlegen kann.

 

Diese Hinterstrasse bringt uns nach der Fähre noch in weiteres Schwitzen... ;-) Wir finden einen wunderschönen Platz im Wald, wo wir die Nacht verbringen. Super gemütlich und windgeschützt... Aber es regnet die ganze Nacht. Und als wir am Morgen rausfahren wollen, ist der Weg eine einzige Schlammschlacht. Wir fahren vor mit Dodo - und kommen durch. Dann kommt FoB... und kommt nicht durch. Er versinkt im Schlamm... Mit jedem Versuch raus zu kommen, sinkt er etwas tiefer. Adi hat die zündende Idee: Hey, wir ziehen den FoB doch einfach mit Dodo raus! Wir alle starren ihn ziemlich sprachlos an: Das geht doch nicht!! Aber Adi ist nicht Adi, wenn er es nicht versucht, was in seinem Kopf an Ideen entsteht. Also nimmt er das Abschleppmaterial raus und es wird alles angehängt. Motoren gestartet und los - Dodo's Räder drehen durch - Adi gibt weiter Gas. Aber muss dann doch erkennen...: Es funktioniert nicht! Ausser dass die Stossstange von Dodo nun eine kleine Erinnerung an FoB trägt und leicht verbogen ist. :-P

Okay... es geht also an's Graben... Schneeketten aufziehen, Holz unterlegen, Baumstämme suchen und aufschütten was geht... Nach stundenlanger Arbeit und kurz bevor wir Hilfe suchen wollten, schafft es FoB plötzlich aus dem Schlamm!! Juhuuuuuiii!!!
Alle sind super froh und Adi und Kevin, die am Meisten geschuftet haben, fragen nun: Phuu, können wir nun endlich Mittag essen?? Und Toni und ich verdrehen die Augen... Mittag?? Mal auf die Uhr geschaut? Es ist schon so ziemlich Abend... Wir fahren also nur noch bis zu einer "Parkmöglichkeit für die Nacht" mit etwas festerem Boden und sinken alle erschöpft ins Bett nach einem schnellen Abendessen.

 

Nächstes Ziel: Coyhaique und der Camping, auf dem wir Anfang Jahr gearbeitet haben. Auf geht's am nächsten Tag.

 ©Ufbruchstimmig